Fakten zu Chuzpe77Revisited 16 Track LP

Kosten für Studio, Toningenieur und Herstellung: € 3600,-
Break Even: 400 Stk.
Erstpressung 300 Stk.

Zuerst einmal: Dieses Album hat nichts mit Authentizität zu tun. Die Musiker sind Freiwillige die gerade zur Hand waren, die die Songs lieben und achten und zärtlich die Essenz aus ihnen heraus prügeln. Wäre es mir gelungen das Original line up zu reaktivieren, was schon wegen dem unersetzlichen Verlust von Christian `Chromosom´ Brandl ohnehin nicht möglich war, na klar würde das Teil jetzt anders klingen. Aber - drauf g'schissen.
Eigentlich war die LP zum 25-jährigen Chuzpe Jubiläum gedacht, aber wie so vieles in meiner Karriere hat auch das nicht geklappt. So ist's jetzt halt 26 Jahre her (2X13!), wo die Stücke im Frühling des Jahres 1977, im zum Proberaum umfunktionierten Audiocenter am Judenplatz, begannen Gestalt anzunehmen.

Bei der Aufnahme wurde darauf geachtet heutigen Aufnahmestandards Rechnung zu tragen, jedoch wurde ausschließlich Equipment verwendet, welches auch Ende der 70er gebräuchlich war, gleiches gilt für die überaus sparsam angewendeten Effekte. Als Referenz wurden Platten der Sex Pistols, Ramones, Motorhead und die LP "Wiener Blutrausch" gewählt, während der Aufnahmepausen entzückten uns Produktionen von u.a. Queens Of The Stone Age, System Of A Down, Grip Inc. und Judas Priest.

Ich finde es ist sehr supergut geworden. Eine knochentrockene Rockplatte eben.
Hier ein kleiner track-to-track guide:

1 Totes Wien 77: Fragment eines frühen Stücks namens "Auschwitz Lebt", verziert mit einem sample der Pummerin das ich irgendwann in den 70ern mit meinem Kassettenrecorder vom Fernseher aufgenommen hab.
2 Super Philosophie: Hieß früher "Ibanez SG", der Text gefiel mir nicht mehr, die Musik rockt aber wie Sau, also hab ich aus einem Textfragment aus der gleichen Zeit neue Lyrics zurechtgehämmert
3 Panik/Alanig: Der erste Klassiker und die zweite Nummer die ich je für Chuzpe geschrieben habe. Die erste hieß "Amoklauf Bop", hat aber den test of time nicht bestanden, genauso wie "Die Madln Aus Wean (Polsterficker)" oder "Klammeraff", bitte ich war knapp 19 damals. Die Phrase Panik/Alanig hat übrigens Falco mit meiner ausdrücklichen Erlaubnis auf dem Song "Titanic" verwendet, das nur für die Amateurhistoriker, den Wahrheitsgehalt kann eh keiner überprüfen. Diese Methode der Legendenbildung hab ich von Ronnie Urini gelernt. Und das kam so: Ich war in der Sonnenfelsgasse Post austragen, wo der, damals nur wirklichen Insidern bekannte, Helmut Lang seine Boutique hatte und da lief mir Falco über den Weg. Nach ein bissl Smalltalk dann ein lässiges "I hob ma dei Panik Alanig ausgliechn, mochts da eh nix?". Was hätte ich sagen sollen. Das ich`s eh schon gewöhnt war, weil er ja schon aus "Tote Körper Tanzen Anders" "Junge Römer Tanzen Anders" gemacht hat? Einem Falco gibt man alles was er will, da gibt`s nix!
4 Nervengas: Und gleich Klassiker Nummer zwei , als Christian mit dem Riff ankam wusste ich sofort, das is es - der Text dazu war dann in zehn Minuten fertig
5 Blitzkriag: Das schöne Riff habe ich von der "West Coast Pop Art Experimental Band" gefladert, ihr secht's - auch von alten Hippies kann man noch was lernen...
6 Es Tuad Ma Überhaupt Ned Lad: Lyrics in schönster ramone'scher Slashertradition, allerdings liegt dem Text ein Mord im Strichermilieu zu Grunde, wo ein 17jähriger seinen "väterlichen Freund" erschlagen hat "weil ihm auf einmal so gegraust hat". Den vernehmenden Polizisten gegenüber meinte er "es täte ihm überhaupt nicht leid". Aus der Tatwaffe habe ich allerdings eine Pumpgun gemacht - ein Gerät das mich damals krankerweise ziemlich fasziniert hat. Christian und ich bezeichneten dieses Stück übrigens als "trying to outramone the ramones."
7 Terror In Klein Babylon: Als wir die Stücke für die LP "Wiener Blutrausch" aufnahmen, durfte dieses natürlich nicht fehlen - noch heute eine meiner Lieblingsnummern zum live spielen, weil's genügend Raum zum Lärm machen lässt...
8 Kopfschüsslerpolka: Vom Text her ein wenig skurill, surreal fast, - "Sperma In der Sakristei...", tz tz tz..., aber sehr catchy der Refrain...
9 Beislanarchie: Mein Rundumschlag gegen einiges was mir damals gestunken hat . Das Riff ist genial, wär es den Clash eingefallen - ein sicherer Platz in deren Top Ten.
10 Lebendig Begrabn: Eine der letzten Nummern die ich für die Punkchuzpe geschrieben habe...aus dem Refrain ist dann später das Stück "Die Guten Kräfte" hervor gegangen.
11 Primitiv Und Laut: Die Originalmusik hierzu ist mir leider entfallen, aber den Text fand ich leiwand (sagt man das noch?). Also hab ich innerhalb von 5 Minuten ein paar Töne zusammengeschüttelt - absolut gelungen, wie ich finde...
12 Ritz Den Arm Dir Auf: Jetzt kann ich's ja zugeben: In meiner Jugend war Wolfgang Ambros sowas wie ein Gott für mich - zumindest die ersten 3 Alben lang. Dies ist das erste Stück das ich je geschrieben habe, da war von Chuzpe noch keine Rede und es ist deutlich vom Meister beeinflusst. Der zweite Einfluß - nicht gleich erkennbar - sind die unvergleichlichen Velvet Underground. Das war so eine Vision von mir, Mitte der Siebziger, Velvets mit Ambros kreuzen...doch dann kam "Blitzkrieg Bop"...
13 Braune Nostalgie: Norbert Burger und seiner NDP, der ANR, Namen die heute zu Recht vergessen sind und all den namenlosen Alltagsfaschos gewidmet...die es damals gab und noch immer gibt . Aus den Faschisten sind halt mittlerweile die Feschisten (copyright Falter) geworden...so kann's gehen...
14 Ferien In Stalingrad: Holiday In Cambodia, Holidays In The Sun, Ferien In Stalingrad - Diese Verwurstung von Erwachsenenerzählungen meiner Kindheit, denen zu Folge der zweite Weltkrieg wirklich sowas wie ein All inclusive Urlaub gewesen sein dürfte, bläst, aber Hallo, sehr vehement aus den speakern. Also Vorsicht, nicht zu nah hingehen, sunst blost's eich de hoa von schädl, har har...
15 Stingert Reich: Wenig bekanntes Stück aus der Spätphase, auf den berüchtigten "Schmettersound Tapes" is es mit drauf. Hier allerdings hat es ein ziemliches 70er Schweinerockende verpasst bekommen, gefällt mir aber sehr - The Datsuns lassen grüßen...
16 Kiss The Flag: Das Eröffnungsstück unserer liveshows, hier in einer sehr drüberen Fassung von 1978, ein Outtake von den Schmettersound tapes - Aufnahmen die wir während der sessions für die erste Single gemacht haben.

Also dann, viel Spaß beim hören dieses wunderbaren Nischenprodukts, schaffen wir es, die Investitionen wieder herein zu bekommen, gibts nächstes Jahr ein Album mit brandneuen songs, versprochen!

Euer Robert "Räudig" Wolf